Warum ich schreibe, worüber ich schreibe – Das Denklabor

Das Denklabor ist kein beliebiger Raum. Es hat einen Grund, warum ich schreibe und worüber ich schreibe.
Dieser Text macht diesen Grund sichtbar.

Warum ich schreibe

Ich schreibe, weil ich denke – und denke, weil ich schreibe.

Ich schreibe, weil mir Fragen begegnen, die sich nicht abschütteln lassen.
Sie tauchen auf, oft unvermittelt, manchmal aus einem Satz, einem Bild, einer Nachricht. Ich kann sie nicht einfach wegwischen. Sie bleiben. Und sie verlangen nach Einordnung.

Ich denke viel. Aber Denken allein reicht mir nicht.
Um wirklich zu verstehen – um Zusammenhänge zu durchdringen, Muster zu erkennen, Tiefe zuzulassen – muss ich schreiben. Schreiben ist für mich kein Ausdruck dessen, was ich bereits weiß. Es ist das Mittel, durch das Denken überhaupt erst Form annimmt.

Ich schreibe, um mir selbst Antworten zu erarbeiten. Nicht schnelle Antworten, nicht beruhigende. Sondern solche, die tragen.
Und – es geht mir meist nicht um Lösungen, sondern um Bewusstheit für das, was ist.
Und für das, was möglich wird, wenn wir den Blick öffnen.
Schreiben öffnet Räume – und die Möglichkeit eine komplexe Welt zu navigieren.


Was mich interessiert – und was nicht

Ich scheue keine Tiefe – und auch nicht den Schatten.

Mich interessieren nicht die Oberflächen. Dort, wo etwas funktioniert, wo Abläufe reibungslos sind, wo es keine Reibung gibt, muss ich nicht hinschauen. Mein Blick wird dorthin gezogen, wo etwas unstimmig ist – wo Dynamiken am Werk sind, die scheinbar System haben.

Ich will Muster verstehen.
Warum geschieht etwas? Und warum geschieht es wieder?

Wiederholung ist für mich kein Zufall. Sie ist ein Hinweis. Ein Signal, dass unter der Oberfläche etwas wirkt, das nicht verstanden, nicht bearbeitet, nicht integriert wurde. Ich arbeite mit einem inneren Eisbergmodell: Was sichtbar ist, sind Symptome. Was mich interessiert, liegt darunter.

Mich beschäftigen die dunklen Seiten des Menschlichen – nicht aus Faszination, sondern aus Notwendigkeit. Schuld, Gewalt, Entmenschlichung, kollektive Traumata. Dort, wo es schmerzhaft wird, dort, wo Schatten wirken, liegt für mich auch die Möglichkeit von Erkenntnis und Heilung.

Ich arbeite dort, wo offensichtlich wird, wie individuelle Schatten im Kollektiv wirken – und wie diese Schatten unsere Welt regieren.


Mein ethischer Kompass

Mir geht es immer um den Mensch und seine Würde – im Großen wie im Kleinen.

Mein Kompass ist Menschlichkeit.
Ich schreibe immer gegen Entmenschlichung.

Mich treiben vor allem jene Situationen um, in denen Macht auf Weichheit, auf vermeintliche Schwäche, trifft. Wo Menschen systematisch unterdrückt, entrechtet oder ihrer Würde beraubt werden. Nicht abstrakt, sondern konkret. Dort endet für mich Neutralität.

Ich bin nicht an moralischer Überlegenheit interessiert. Ich missioniere nicht. Aber ich ziehe eine Grenze. Gewalt gegen Unschuldige, systematische Entmenschlichung, das Brechen von Würde – hier wird aus Verstehen Haltung.

Diese Haltung ist nicht aggressiv. Sie ist klar.
Sie zielt nicht auf Vergeltung, sondern auf Verantwortung.


Warum Deutschland kein Zufall ist

Ich liebe mein Land. Deshalb kritisiere ich es am vehementesten – und will gleichzeitig sein Bestes.

Meine Themen haben einen Ort.
Und dieser Ort ist nicht beliebig.

Mich interessieren vor allem Zusammenhänge, in denen deutsche Geschichte, deutsche Verantwortung und deutsche Gegenwart berührt sind. Nicht aus Schuldgefühl, sondern aus Verortung. Ich schreibe aus einem bestimmten Platz in dieser Welt heraus – und dieser Platz bringt Verantwortung mit sich.

Deshalb interessieren mich Kolonialismus, Genozide, Massenverbrechen, ihre Nachwirkungen und Wiederholungen. Deshalb Israel und Palästina. Deshalb Dekolonisierung. Deshalb werde ich auch zu anderen Orten kommen, an denen westliche Machtstrukturen wirken.

Ich schreibe nicht über die Welt.
Ich schreibe aus ihr.


Macht, Systeme und Strömungen

Was steckt hinter den Dingen? Ich will es wissen.

Ich will verstehen, was diese Welt im Innersten zusammenhält.
Nicht poetisch gemeint, sondern strukturell.

Mich interessieren die Systeme und Strömungen, die unterhalb des Sichtbaren wirken: Kapitalismus, Imperialismus, Kolonialismus, Autoritarismus, Totalitarismus, Faschismus. Religiöse Machtformen, neoliberale Ideologien, patriarchale Ordnungen.

Nicht als Schlagworte. Sondern als Wirkkräfte, die Alltag, Politik und Denken formen.
Als Mechanismen, die Freiheit bedrohen, Gewalt normalisieren und Ungleichheit stabilisieren.

Freiheit ist für mich ein zentraler Wert. Und genau deshalb interessieren mich jene Systeme, die sie systematisch untergraben – oft leise, oft legitimiert, oft unsichtbar.


Was ich nicht erwarte

Das Denklabor ist eine Einladung zum Diskurs – auf Basis von geteilten Werten. Ich teile meine Sicht – ohne Anspruch auf absolute Wahrheit.

Ich erwarte keine Zustimmung.
Ich erwarte nicht, dass alle meine Gedanken geteilt oder verstanden werden.

Ich schreibe nicht, um zu überzeugen. Ich leiste keine Überzeugungsarbeit.
Ich stelle meine Gedanken und meine Haltung in den Raum.

Was ich erwarte, ist Mitdenken. Eigenständiges Denken. Sprechen können.
Und ein geteiltes Wertefundament: Menschlichkeit, Würde, Verantwortung.

Dieser Raum ist nicht für alle.
Und das ist in Ordnung.


Warum ich trotzdem schreibe

Weil ich es muss.

Ich weiß, dass es keine objektive Wahrheit im einfachen Sinn gibt.
Und doch gibt es eine Wahrheit, die ausgesprochen werden muss.

Allein das Benennen verändert Wirklichkeit. Zeugenschaft ist eine Handlung.
Schweigen stabilisiert das, was ist.

Diese Welt, so wie sie aktuell organisiert ist, arbeitet gegen das Leben.
Systeme zerstören – Menschen, Gesellschaften, den Planeten. Ich werde die grundlegende Veränderung vermutlich nicht mehr erleben. Aber das entbindet mich nicht davon, zu sprechen.

Jemand muss es aussprechen.
Ich muss es aussprechen.

Vielleicht ja auch Du.

.Lies gern weiter:
👉 Das Denklabor-Glossar: Begriffe & Welt
In diesem Raum ordne ich die wesentlichen politischen Begriffe ein, über die ich schreibe.

Zwischen Genie & Wahnsinn ist ein freies Denklabor.
Hier darf gedacht, gefühlt, hinterfragt und neu zusammengesetzt werden.
Wenn Du etwas beitragen möchtest – eine Erfahrung, einen Gedanken, eine andere Sichtweise –
dann schreib mir gern oder reiche Deinen Text als Gastbeitrag ein.

👉 Deine Stimme gehört hierher.


Bildquelle: Titelbild erstellt mit Canva Pro

Porträt von Jana Engel, Autorin und Seelenguide
Jana Engel

Jana Engel ist Seelenguide, Autorin und Freidenkerin.
In ihrem Denklabor erkundet sie die Mechanismen unserer Zeit -
zwischen Bewusstsein, Wahrheit und der Kunst des Zweifelns.

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