Vor einiger Zeit habe ich einen Podcast gehört – „How to Fall in Love with the Future“ mit Rob Hopkins.
Der Titel hat mich neugierig gemacht. Wie verliebt man sich in die Zukunft? Kann man sich überhaupt in die Zukunft verlieben angesichts des Weltgeschehens?
Vielleicht, indem man sie jetzt schon Wirklichkeit werden lässt – so wie man sie sich wünscht. Das ist auf jeden Fall die Ansicht von Rob Hopkins.
Wer ist Rob Hopkins? Was ist die Transition-Town-Bewegung?
Rob Hopkins (*1968) ist ein britischer Umweltaktivist und Dozent. Er ist der international bekannte Begründer der Transition-Town-Bewegung (Wandelnde Stadt), die Gemeinden dabei hilft, sich unabhängig von fossilen Energien zu machen und lokale Lösungen für globale Krisen, wie Klimawandel und Ressourcenknappheit zu entwickeln. Der notwendige Wandel soll „von unten“ gestaltet werden im Rahmen von Projekten wie zum Beispiel Urban Gardening, regionale Energie, Carsharing, Makerspaces. Dies soll Gemeinschaft stärken und fördern und lokale, nachhaltige Wirtschaftskreisläufe etablieren.
Der Kerngedanke von Rob Hopkins ist: Die Zukunft liegt nicht in der Zukunft – sie wird im Jetzt gestaltet.
Worum geht es hier
In diesem Blogartikel widme ich mich nicht so sehr den ökologischen Notwendigkeiten, wie wir sie schon jetzt verankern müssen für eine nachhaltige Zukunft.
Ich widme mich eher dem universelleren Thema: Wie wollen wir eigentlich leben? Okologie ist immer ein Bestandteil dieser Frage. Die Kernfrage dabei ist: Wie erschaffen wir überhaupt eine lebenswerte Zukunft?
Ich stelle das Konzept des Future Pop-up Store vor als Ansatz, die Zukunft erlebbar zu machen. Denn was nicht nur denkbar, sondern im Kleinen bereits realisiert und zugänglich ist – macht greifbar, was möglich ist. Und kann ein erster Schritt sein, Wandel auch in größerem Rahmen zu bewirken.
Was ist ein Future Pop-up Store?
Zunächst: Was ist überhaupt ein Pop-up Store? Es ist ein Ort, der plötzlich entsteht – in einem leerstehenden Laden, an einer Ecke, die vorher leer war. Er füllt einen Raum. Und er ist nicht für die Ewigkeit gedacht. Man weiß, dass er wieder verschwinden wird.
Genau das macht ihn so besonders. Pop-up Stores haben immer einen Überraschungsmoment – vor allem, wenn sie an Orten auftauchen, die man kennt. Wo vorher nichts war, ist plötzlich etwas. Und weil man weiß, dass es nicht für immer da sein wird, macht es neugierig. Man beschäftigt sich lieber jetzt damit. Pop-up Stores haben dabei immer einen leichten Improvisationsaspekt – etwas Vorläufiges, das trotzdem real ist.
Und wenn man dieses Konzept nun mit der Zukunft verbindet?
Bei mir hat Future Pop-up Store nicht sofort ein konkretes Bild ausgelöst. Aber ein Gefühl. Ein Gefühl für einen Ort. Eher wie eine Antwort auf die Frage: Wie müsste sich ein Ort anfühlen, der für mich Zukunft symbolisiert? Wie soll sich die Zukunft anfühlen? Das hat mich nicht mehr losgelassen – und letztendlich dazu bewogen, darüber zu schreiben.
Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, was dieses Konzept so besonders macht: Warum es einen Unterschied macht, die Zukunft nicht nur zu denken oder zu konzipieren – sondern sie wirklich in die Realität zu bringen.
Vom Träumen zum Erleben
Es heißt ja so schön: If you can dream it, you can do it. Aber vom Träumen zum Umsetzen gibt es eine Strecke zurückzulegen – gerade wenn es um die Zukunft geht und um Themen, die große Dimensionen haben.
Mit der Realisierung von Visionen für die Zukunft verhält es sich vielleicht eher so: Träume es. Denke es. Baue es im Kleinen. Erfasse es mit allen Sinnen. Und lass es auch von anderen berühren. Trage es in die Welt. Lass es wachsen.
Dabei ist wichtig: Träumen hat Wert. Denken hat Wert. Aber Erleben bewirkt etwas, das kognitiv nicht erreichbar ist. Deshalb ist eine Realisierung im Kleinen so wichtig.
Wenn ich etwas erlebbar mache, ändere ich bereits etwas – in mir und in anderen.
Das macht den Ansatz Future Pop-up Store so interessant. Weil er die Zukunft im Kleinen erschafft. Dabei lässt sich so ein Store natürlich in ganz unterschiedlichem Rahmen verwirklichen.
Future Pop-up Store Formate – die Bandbreite
Ein Future Pop-up Store muss nicht immer in einem leerstehenden Laden entstehen.
Die Möglichkeiten reichen von Visionboard und Schulprojekt bis zu interaktivem Messestand und besetzter Brücke.
Fragen, die man sich dabei stellen kann sind:
- Was ist mein Thema?
- Geht es um die Zukunft an sich oder einen bestimmten Aspekt, wie Schule, Arbeit oder Wohnen der Zukunft?
- Oder will ich mich mit einer bestimmten Fragestellung auseinandersetzen: Frauenrechte und Rechte von Minderheiten, Migration und Integration, gelebte Diversität?
- Wer ist meine Zielgruppe?
- Kinder, Schüler, Junge Erwachsene, ältere Mitbürger, die unmittelbare Nachbarschaft, die Gemeinde, alle?
- Was will ich erreichen?
- Wo soll mein Future Pop-up Store stattfinden?
- Was ist das Format?
- Vielleicht doch digital?
- Wie beteilige ich Besucher:innen? Wieviel und welche Interaktion soll der Store ermöglichen?
- Welche Reichweite strebe ich an?
- Doch eher lokal oder etwas größer?
- Wie lange besteht der Pop-up Store?
- Wie offen ist mein Store: auf Einladung, für bestimmte Gruppen, für alle?
- Wie wird die Finanzierung abgedeckt? Gibt es eine Trägerschaft?
Und, natürlich sind digitale, installationsartige und eher künstlerische Ansätze denkbar. Aber unmittelbares Erleben transportiert die Botschaft stärker, gerade dann, wenn der Store alle Sinne anregt und die Besucher:innen zum Mitmachen und Mitgestalten anregt.
Deshalb ist diese Frage letztendlich immer wichtig: Wie kann ich Erleben reinbringen? Oder: wie entwickle ich einen Ansatz in etwas Erlebbares?
Und vielleicht ist ein Start im ganz Kleinen dann doch die beste Möglichkeit. Denn ein Future Pop-up Store lässt sich auch im frei geräumten Wohnzimmer aufbauen.
So wurde das schon gemacht
Battersea Arts Centre, London 2019
Im Oktober 2019 lud das Transition Network zu einem ganztägigen immersiven Event ein. Über 300 Menschen bauten gemeinsam aus Pappe, Stühlen und Alltagsmaterialien eine fiktive Stadt der Zukunft – „Transition Town Anywhere“. Sie hauchten ihr Leben ein, gestalteten Läden, Plätze, Orte. Das Banner über dem Eingang: „Welcome to Tomorrow.“
„Because I played it“ – Lucy Neal, 2012
Bei einem ähnlichen Event 2012 gestaltete Lucy Neal eine Bäckerei, eine Brauerei und eine Mühle unter einem Dach. Sie nannten es „the Yeast Collective“. Sieben Jahre später wurde genau das real. Auf die Frage, woher sie wusste, dass es funktionieren würde, antwortete sie: „Because I played it.“ Manchmal muss man die Zukunft erst spielen, bevor man sie bauen kann.
Camden Think & Do, London
Ein leerstehender Laden in einer Einkaufsstraße wurde zum offenen Zukunftsraum. Die Wände waren bedeckt mit Zetteln: Hoffnungen, Ängste, Was-wäre-wenn-Fragen, Geschichten aus dem Jahr 2030. Es gab Kleidertausch, Workshops, Schulbesuche, offene Treffs – oft mehreres gleichzeitig. Niedrigschwellig, offen, für alle.
Die Zukunft im Heute – Eine Einladung
Die Zukunft entsteht im Jetzt und nicht einfach so. Das heißt, wir können sie verändern. Vielleicht fangen wir einfach im Kleinen damit an – mit einer Idee zum Anfassen, die Realität wird und die uns die Zukunft näher bringt. Und die Möglichkeit, uns ein bisschen in sie zu verlieben.
Was darf in Deinem Future Pop-Store nicht fehlen? Welche eine Sache stellst Du jetzt schon hinein, damit sie in der Zukunft Wirklichkeit wird? Schreib es gerne in die Kommentare.
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